Eigentlich ist Christchurch die „nur“ drittgrößte Stadt Neuseelands nach Einwohnerzahl, sie war in den letzten 10 Jahren aber wohl häufiger Thema in internationalen Medien als jede andere neuseeländische Stadt. Traurige Berühmtheit erlangte Christchurch in jüngster Geschichte vor allem durch das verheerende Erdbeben in 2011 mit 185 Toten und dem Terroranschlag auf die muslimische Gemeinde im Jahr 2019 mit 51 Toten.
Zwei unfassbare Tragödien in weniger als 10 Jahren und die Spuren sind immer noch an vielen Orten erkennbar. Aber dennoch ist es faszinierend wie sich diese Stadt derzeit nahezu wöchentlich verändert und dabei regelrecht aufblüht…
Die Red Zone
Die Veränderungen, die mit dem Erdbeben von 2011 einhergingen, sind vor allem in den Bereichen der sogenannten Red Zones zu erkennen. Die Innenstadt Christchurchs wurde zum Beispiel kurz nach dem Erdbeben zur Red Zone erklärt, die normale Bürger nicht mehr betreten durften. Aber auch diverse Wohnviertel fielen dem Erdbeben zum Opfer. Das kann man auch heute noch im Verlauf des Avon River beobachten, an dem die Zerstörung der Bausubstanz besonders ausgeprägt war. Grund dafür ist die damit eingehende Liquefaction (Verflüssigung), die insbesondere in der Nähe des Flusses auftrat. Vor der Bebauung durch den Menschen gehörte auch dieses Gebiet zu den Wetlands. Das unten stehende GIF zeigt die Veränderung im Bereich des Flusses sehr anschaulich.

Wohngebiete vor dem Erdbeben 2011 und heute
Heute sind nur noch die Straßenzüge, Zufahrten und Überbleibsel der Gärten erkennbar. Reihen von Bäumen und Büschen deuten Grundstücksgrenzen an und ab und zu tauchen auch Schaukeln und Gartenmöbel zwischen Bäumen über dem wöchentlich von städtischer Hand gemähten Rasen auf. Nur einzelne, noch bewohnte Häuser von Menschen, die der Empfehlung der Stadtverwaltung nicht gefolgt sind, tauchen zwischen den leeren Grundstücken auf.
Im Sommer und zum Herbstanfang locken Pflaumen, Äpfel, Birnen, Walnüsse und Beeren. Ganzjährig kann man hier fernab vom motorisierten Verkehr Rad fahren, Spazieren gehen oder seinen Hund ausführen. Mit den Jahren holt sich die Natur Gehwege und Straßenzüge zurück. Der Asphalt bricht auf und immer neue Gräser und Pflanzen kommen zum Vorschein.
Zukünftig könnte hier eine „Tiny-Home“ Gemeinde entstehen. Die Häuser müssen so konzipiert sein, dass sie mobil sind und bei einem möglichen erneuten Erdbeben wieder entfernt werden können. Auch ein Abentuerpark ist im Gespräch. Teile dieses Gebietes sollen aber bestehen bleiben und weiterhin als Naherholungsgebiet dienen. Mit der Zeit werden sich Teile wohl wieder zu den ursprünglichen Wetlands zurückentwickeln.

Die Natur holt sich die Straßenzüge der Red Zone zurück









